Antwort auf: Fortführung der Vergütung von Ü20-Anlagen

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#714
Andreas Henze
Gast

Gehen wir doch mal von der Sicht eines PV-Altanlangenbetreibers aus. Dabei sind 2 Fälle zu unterscheiden:
1. Kleine PV-Anlage auf dem eigenen Hausdach (z.B. bis 10 kWp):
Wenn der Anlagenbeitreiber seinen Strom selbst nutzen kann, dann ist ihm im Regelfall egal, wieviel er als Vergütung für den eingespeisten Strom bekommt, wenn der Aufwand (finanziell als Gebühr aber insbesondere als Investion) klein ist, denn er weiß ja gar nicht wie lange seine Anlage noch läuft.
Das heißt die Stromeinsparung ist Anreiz genug die Anlage weiterhin in Betrieb zu halten. Vorausgesetzt er bekommt nicht noch alle möglichen anderen Zusatzlasten „aufgebrummt“, die nach heutigem Stand anfallen, als da wären: Direktvermarktung mit hohen Gebühren und Direktvermarkterbox (Investition), Zählertausch mit hohen Gebühren, EEG-Umlage mit zusätzlichen Fristen und Ansprechpartnern zum Abführen (würde sie vom Netzbetreiber mit der Jahresabrechnung abgerechnet wäre die EEG-Umllage wahrscheinlich sogar hinnehmbar). Es ist also wichtig, dass der Aufwand klein ist und die Kosten (insbesondere die Investition) klein sind. Für diese Anlagen würde es also ausreichen, wenn sie vom Netzbetreiber den Marktwert also zwischen 2 und 5 Ct. bezahlt bekämen und nur den ursprünglichen Einspeisezähler entfernen und die Anlage auf den Hauszähler umklemmen lassen würden. Als Vergütung wäre ein Jahreswert, der sich z.B. aus dem Vorjahresdurchschnitt von PV-Strom berechnet, sinnvoll, um den Aufwand klein zu halten.
Aus Energiesicht ist wichtig, dass die Anlage weiter betrieben wird und die Anlage nicht vom Netz geht bzw. nur noch auf den Eigenverbrauch gedrosselt betrieben wird. Diese Anlagen spielen Regelungstechnisch keine Rolle und müssen nicht gedrossel oder vermarktet werden. Sie werden in den nächsten 10 Jahren sowie so durch neue Anlagen ersetzt werden.
2. große PV-Anlage (ich denke hier vor allem ab ca. 2003 an Anlagen auf Scheunen- und anderen großen Dächern, für die kein oder nur ein minimaler Eigenverbrauch möglich ist) (z.B. größer 10 kWp)
Diese Anlagen haben über den Eigenverbrauch keinen Anreiz ihre Anlage weiter zu betreiben. Dieser Anreiz müsste also über eine Vergütung kommen. Wir als BEG finden aber schon jetzt kaum einen Direktvermarkter für Anlagen mit 160 kWp (nur als Beispiel). Die Kosten liegen bei 500 Euro Direktvermarkterbox plus Installation (ca. 500 Euro) plus LTE-Anschluss und Modem, einigen hundert Euro Direktvermarktergebühr jährlich, ca. 60 Euro LTE-Gebühr jährlich. Das Problem der Abschaltbarkeit / Regelung durch den Direktvermarkter ist normalerweise gar nicht oder nur ein/aus zu lösen (der Aufwand ist ebenfalls beträchtlich). Hier fallen als Kosten in der Höhe von mindestens 1 eher 2 bis 3 Tausend Euro + erheblicher Organisationsaufwand an, um die Anlagen weiter betreiben zu können (nach jetziger Gesetzeslage.
Die Anlagenbetreiber würden diese Anlagen sicherlich weiterlaufen lassen, wenn die Anlagen pro z.B. 10 kW 500 Euro jährlich abwerfen würde. Also eine Vergütung von ca. 5 Ct. pro kWh bekommen würden, ohne dass sie irgendwelche Änderungen vornehmen lassen müssten. Denn jeder Aufwand würde für viele (da sie nicht den Reiz des Unabhängig machens vom Stromversorger hätten wie die Anlagen unter 1.) sich nicht mehr „lohnen“. Das Risiko einer Fehlinvestition wäre zu hoch. Also 5 Ct. sollten vollständig ausreichen bei einer ganz normalen Volleinspeisung. (Immerhin bekommen Freiflächen-Neuanlagen auch nur rund 5 Ct. und müssen davon auch Reparatur etc. bezahlen und das muss wohl wirtschaftlich sein, wenn man sich die letzten Ausschreibungsrunden der BNA ansieht.