EEG 2.0 – Ideen aus München

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    Susanne Jung
    Verwalter

    Text von SfF München (bereits in Diskussion mit H.-J. Fell)

    Initiative für einen gesetzlichen Rahmen zum beschleunigten Ausbau der dezentralen und verbrauchsorientierten Erzeugung von elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen – EEG 2.0

    Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat in Deutschland in den Jahren 2000-2011 einen hinreichend großen Markt geschaffen, auf dem zuvor teure Stromerzeugungstechnologien, insbesondere die Photovoltaik (PV), innerhalb weniger Jahre eine industrielle Lernkurve durchlaufen konnten, was dazu geführt hat, dass diese nun zu den günstigen Formen der Stromerzeugung überhaupt gehören. Die Umstellung von einer festen energiemengenorientierten Einspeisevergütung auf Marktprämien, die in Ausschreibungen ermittelt werden, hat seit 2012 zu einem dramatischen Einbruch des Marktes geführt, ohne das Grundproblem der volatilen Stromerzeugung mit Windkraft- und PV-Anlagen zu lösen. Nun sind gerade diese volatilen Erzeugungstechnologien zugleich die kostengünstigsten, flächeneffizientesten und diejenigen mit dem größten Potenzial, auch in Deutschland.

    Als Lösung wird ein gesetzlicher Rahmen, ein EEG 2.0 vorgeschlagen, der dieses zentrale Defizit adressiert. Damit soll der aus Klimaschutzgründen dringend erforderliche rapide Ausbau der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen an seiner Schlüsselstelle, der Stromerzeugung, welche Voraussetzung für elektrische Mobilität, strombasierte synthetische Kraft- und chemische Grundstoffe sowie den Einsatz von Wärme- und Kältepumpen ist, ein geeigneter Rahmen und ein signifikanter Schub verliehen werden. Das vorgeschlagene Gesetz wird zudem dazu führen, dass innovative Technologien im Bereich der Energiespeicherung und Sektorenkopplung einen Markt und potentielle Investoren eine hinreichende Investitionssicherheit erhalten. Technologieneutralität und Marktmechanismen auf allen Ebenen der Wertschöpfung sind gewährleistet. Lediglich eine Mindestvergütung für die ins Netz einspeiste elektrische Energie soll sicherstellen, dass die erforderlichen Investitionen ausgelöst werden.
    Ein solches EEG 2.0 sollte folgende Elemente enthalten:
    • Feste Einspeisevergütung für Stromerzeuger, die durch geeignete Aggregation von Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, Energiespeicherung, Sektorenkopplung und flexiblem Verbrauch viertelstundenscharf verbrauchsorientierte Nettoeinspeiseprofile an einem Netzverknüpfungspunkt mindestens für ein ganzes Jahr anbieten.
    • Optional kann bei einer Maximaleinspeisung von mindestens 10 MW zur Auflage gemacht werden, dass der so geförderte Stromerzeuger in einem bestimmten Umfang künstliche Trägheitsreserve, Regelleistung und Schwarzstartkapazität nach einem Netzausfall anbieten muss.
    • Die Höhe der Einspeisevergütung sollte sich an prototypischen virtuellen Kraftwerken orientieren und jährlich angepasst werden. Für den Beginn wird eine Vergütung in Höhe von etwa 10 ct/kWh vorgeschlagen.
    • Die Einspeisevergütung sollte unbürokratisch gewährt und erzeugte, aber nicht ins Netz eingespeiste Energie von allen Abgaben befreit werden.
    • Das Erzeugungsprofil sollte sich am Verbrauchsprofil innerhalb größerer Regionen orientieren, etwa Nord- und Süddeutschland, oder am Verbrauch innerhalb von einzelnen Verteilnetzen. Die Bundesnetzagentur möge einen geeigneten Vorschlag machen, ob und wie das deutsche Netzgebiet in mehrere Zonen aufgeteilt werden kann, innerhalb derer ein solchermaßen geförderter Stromerzeuger dem Verbrauchsprofil innerhalb der Zone zu folgen hat. Ziel der Aufteilung soll kurzfristig eine Reduzierung von Redispatch-Maßnahmen und mittel- und langfristig des Netzausbaus sein.
    • An Stelle des Verbrauchsprofils kann auch die Differenz des Verbrauchs und der volatilen Erzeugung aus Windkraft- und PV-Anlagen, die nicht durch das EEG 2.0 gefördert werden (Restbedarfsprofil) als Referenz festgelegt werden.
    • Das Verbrauchs- oder Restbedarfsprofil sollte aus Prognosen mit einem angemessenen Vorlauf erstellt und von der Bundesnetzagentur verfügbar gemacht werden.
    • Es bleibt dem Erzeuger überlassen, welche Erzeugungseinrichtungen, Energiespeicher und flexiblen Verbraucher er aggregiert, um das erforderliche Erzeugungsprofil zu generieren.
    • Zur Refinanzierung der an den Erzeuger gezahlten Einspeisevergütung sollte eine geeignete Umlage von allen Verbrauchern gezahlt werden, die nicht von solchen geförderten Erzeugern bereits vollständig versorgt werden. Auf keinen Fall sollten öffentliche Gelder zur Refinanzierung verwendet werden, da sonst beihilferechtliche Aspekte zu berücksichtigen wären, die möglicherweise das Gesetz als Ganzes kippen oder unwirksam machen können.
    • Zu prüfen ist, ob die Umlage sich an der maximalen dem Netz entnommenen Leistung orientieren könnte anstatt an der entnommenen Energie. Dies könnte einen Anreiz zur Leistungsbegrenzung geben, was tendenziell den Netzausbaubedarf senkt.
    • Eine solche Einspeisevergütung sollte in einem separaten, neuen Gesetz, einem EEG 2.0, geregelt werden, welches keine Novelle des bisherigen EEG ist. Das bisherige EEG ist im Zuge der diversen Novellen hoffnungslos kompliziert geworden. Die Einarbeitung in das bestehende EEG würde sehr komplex sein. Das aktuelle EEG muss neben dem EEG 2.0 weiter fortbestehen und ebenfalls novelliert werden, damit kein Fadenriss in den Investitionen in einzelne Anlagen (PV; Wind, Bio, Wasser, Geo) geschieht, bzw. die Investitionsblockaden wieder aufgehoben werden. Das aktuelle EEG hat ebenfalls hohen Novellierungsbedarf. Die Eckpunkte dazu sind zu umfassend, um sie in der Kürze der Zeit zu formulieren. Kernelemente müssen sein: Zurück zur festen Einspeisevergütung unterhalb 40 MW Investitionen; Abschaffung aller Belastungen für dezentrale Bürgerinvestitionen, wie die EEG-Umlage entsprechend der EU Richtlinie; Abschaffung aller Deckel; Durchforstung nach Bürokratieabbau.

    • Dieses Thema wurde geändert vor 8 Monaten von Susanne Jung.
    #752 Antworten
    Susanne Jung
    Verwalter

    Reaktion von Christfried Lenz

    Das Wichtigste an dem Ansatz von Hans-Josef Fell scheint mir zu sein, dass er das „EEG 2.0“ auf die Vollversorgung durch EE, also auf die vollständige Unabhängigkeit von fossilen und atomaren Energien, ausrichtet. Deswegen die Einführung einer speziellen Einspeisevergütung für wetterunabhängigen EE-Strom. – (Die genannte mögliche Einspeisevergütung von 10 Cent scheint mir ziemlich niedrig zu sein?)

    Diese Ausrichtung auf völlige Unabhängigkeit von fossiler und atomarer Energie dürfte von fundamentaler Bedeutung für ein neues EEG zu sein! In der Diskussion am RT hat dies noch keine Rolle gespielt.

    Wie auch der RT weist Fell auf die Bedeutung der EU-RL hin und verlangt die vollständige Umsetzung von deren Potenzial.

    Was mir nicht klar ist: Wie soll das gehen mit einerseits dem neuen EEG 2.0 bei gleichzeitiger Fortexistenz des alten EEG, welches allerdings hohen Novellierungsbedarf hat? Es müsste zuletzt doch herauskommen, dass sich EEG 2.0 und das von Deckeln und Bürokratismus befreite alte EEG nicht widersprechen. – Wäre es da nicht klarer/einfacher, das, was vom alten EEG (eventuell) bleibt und das EEG 2.0 zu einem einzigen kompakten Vorschlag zu machen (nicht in der Form eines Gesetzentwurfes, aber in der Form einer Aufstellung der Inhalte, die in der Gesetzgebung 2.0 enthalten sein müssen)?

    Viele Grüße
    Christfried

    #753 Antworten
    Susanne Jung
    Verwalter
      E-Mail-Kommunikation zwischen Andreas Horn, Daniel Bannasch und Susanne Jung

    1. E-Mail: Andreas Horn an Daniel Bannasch

    Hallo Daniel,
    ich möchte Deinen Vorschlag aufnehmen und versuchen, einige grundlegende Gedanken darzulegen. Ich beziehe
    mich dabei (zunächst) auf PV – und hoffe, dass man diese Gedanken auf andere erneuerbare Energien übertragen
    kann.
    Ich wende mich zunächst nur an Dich (und Andreas Henze), um ein erstes Feedback einzuholen. Ich mein
    Vorschlag verständlich? Was gibt es für Einwände? …
    Der Beitrag betrifft die Kategorie „2. ) Problem & Lösung“, allerdings nicht hinsichtlich der Ausbau-Hemmnisse,
    sondern grundlegend zum „Fördermechanismus“.
    Aktuell haben wir bei PV zwei große Herausforderungen:
    a. Neu-Zubau voranbringen
    b. Bestandsanlagen am Laufen halten
    Für die beiden Teilaspekte gibt es bisher folgende Lösungsansätze:
    a. für das Jahr 0 – 20: Vergütungshöhe je nach Zuschlagswert bei Ausschreibung oder fixe Einspeisevergütung
    b. keine (oder habe ich da was übersehen? – „Eigenverbrauch“ wird immer genannt, wird aber nur teilweise
    funktionieren)
    c. Marktwert Solar an der Börse
    I. https://www.netztransparenz.de/EEG/Marktpraemie/Marktwerte (Monats-Mittelwerte, in 2019 bei
    ca. 3 – 5 Ct/kWh, in den Wintermonaten bis 6 Ct/kWh)
    II. https://www.energy-charts.de/price_de.htm (Börsenpreise zeitaufgelöst, eine
    „Einspeiseverschiebung“ um wenige Stunden mittels Speicher könnte den Ertrag um ca. 2 Ct/kWh
    erhöhen)

    Mein „radikaler“ Grundsatz-Gedanke geht nun dahin, die „willkürliche“ Aufspaltung des Betriebszeitraums einer PV-
    Anlage in „20 Jahre gefördert“ und „Restlaufzeit ungefördert“ aufzuheben.

    Dazu eine kleine Überlegung – ich trenne die Stromgestehungskosten nach Investitionskosten und lfd.
    Betriebskosten:
    a. Annahme: eine PV-Anlage kostet 1000€/kWp, der Jahresertrag sei 1000 kWh/kWp. D. h. 1 kWh jährlich
    (während der Lebensdauer) kostet 1 €. Bei einer angenommenen Lebensdauer (~Abschreibung) von 20
    Jahren kostet die Kilowattstunde 5 Ct/kWh, bei 30 Jahren 3,3 Ct/kWh, und bei 40 Jahren 2,5 Ct/kWh (reine
    Investitionskosten, vereinfacht ohne Kapitalkosten etc.).  Investitionskostenanteil ~ 3 Ct/kWh
    b. Die Betriebskosten einer Aufdach-PV-Anlage liegen bei 32 €/kWp a (HTW-Kurzstudie). Bei 1000 kWh/kWp
    liegen die Betriebskosten also bei etwa 3,2 Ct/kWh (zzgl. Inflation)
     Fazit: die Investitionskosten und die Betriebskosten sind etwa gleich hoch. Die Kosten werden sich mit
    sinkenden Modulkosten und steigenden Arbeitskosten weiter zu überwiegenden Betriebskosten
    verschieben.  Betriebskostenanteil ~ 3 Ct/kWh
     Die Erlöse für Solarstrom an der Börse reichen aktuell nicht aus, die Investitions- UND Betriebskosten zu
    decken (außer bei sehr großen Freiflächen PV-Anlagen)
     Die Marktwert Solar wird nach meinem Dafürhalten mit zunehmender PV-Leistung eher sinken.
     ABER: Durch Eigenverbrauch ergibt sich vielfach ein signifikanter Mehrertrag, der in vielen Fällen dazu führt,
    dass die PV-Anlage wirtschaftlich betrieben werden kann.

    2

     unsere gute alte „kostendeckende Vergütung“ für Solarstrom muss NICHT mehr gefordert werden.
     es ist ein Mechanismus erforderlich, der für wirtschaftliche Planbarkeit sorgt, z. B. ein Mindestpreis. der sich
    am Jahresmarktwert der Vorjahre orientiert (z. B. 50% des mittleren Jahresmarktwert der fünf Vorjahre)
     ggf. sind noch einzelne Förderbestandteile für Teilsegmente erforderlich, die besonders förderwürdig sind
    (z. B. weil sehr innovativ) oder sehr benachteiligt sind (z. B. Kleinanlagen)
    Damit lautet mein persönliches EEG 2.0 so:
    §1. Strom aus Erneuerbaren Energien (und hocheffizienten KWK) wird (unabhängig von Alter, Standort oder Größe
    der Anlage) mit dem jeweiligen Marktwert vergütet, wobei als Vergütungssatz auf Verlangen des Einspeisers
    wahlweise
     90% des Jahresmarktwerts (bei jährlicher Abrechnung, typisch bei Kleinanlagen bis 7 kWp) ODER
     95% des Monatsmarktwerts (bei monatlicher Abrechnung, typisch bei Anlagen bis 100 kWp) ODER der
     jeweilige Börsenwert (Viertelstundenmarktwert, bei Anlagen mit SmartMeter) anzuwenden ist.
    §2. Falls der Marktwert unter einen Mindestmarktwert sinkt, ist für die jeweils gewählte Abrechnungsperiode der
    Mindestmarktwert anzusetzen.
    Der Mindestmarktwert beträgt 60% des gemittelten Jahresmarktwerts der fünf Vorjahre.
    §3. Falls der Mindestmarktwert anzuwenden ist, wird der Differenzbetrag zum Marktwert auf die Endverbraucher
    umgelegt.
    §4. Strom aus EE-Anlagen kann auch zeitversetzt ins Netz eingespeist werden. Sofern die Einspeisung mit einem
    SmartMeter gemessen wird gilt als Marktwert zur Ermittlung der Vergütung der jeweils zu diesem Zeitpunkt gültige
    Viertelstunden-Börsenpreis.
    §5. Betreiber von Stromspeichern erhalten einen Speicherzuschlag in der 3-fachen Höhe der Differenz des jeweils
    aktuellen Viertelstunden-Marktwerts zum Zeitpunkt der Einspeisung und dem entsprechenden Monatsmarktwert.
    Der Speicherzuschlag wird auf die Endverbraucher umgelegt.
    §6. Für technisch nicht notwendige Aufwände, die dem Betreiber auf Gesetzen erwachsen, erhält der Betreiber eine
    Aufwandsentschädigung. Näheres regelt eine Verordnung. (Idee: Hier werden Aufwände vergütet, die der
    Gesetzgeber den Betreibern aufbürdet, z. B. Messkosten, Kosten für Melde- und Registrierungspflichten,
    Ertragsausfall 70%-Regelung (?), … – dies kann auch entfallen, wenn der gesetzlich erforderliche Overhead gering
    ist).
    Soweit erstmal, das ist die Essenz des heutigen Tages.
    Mit sonnigen Grüßen
    Andreas Horn
    (Vorsitzender)

    Sonnenkraft-Freising e. V.

    ———————————-
    2. Reaktion von Susanne Jung an den von Andreas Horn übermittelten Briefverkehr

    Mein erster Gedanke: Ist Deine Idee der Aufhebung des 20-jährigen Vergütungszeitraumes geeignet, eine solare Revolution anzustoßen? Wird es das goldene Ei sein, bisher noch zögerliche (kaum vom Klimaschutzgedanken und Gemeinwohl getriebene) Besitzer von solaren Dach-, Fassaden und Freiflächen zur Investition zu bewegen – und zwar schnell? Sorry, ich habe da meine Zweifel. Deine Ideen klingen leider viel zu komplex und schwer durchschaubar.

    Die Zeit rennt uns so was von davon.
    Die Auflösung des langen Vergütungszeitraumes finde ich prinzipiell richtig, denke allerdings in eine andere Richtung:
    – Stufe 1) starken Investitionsanreiz setzen, so dass die solare Investition innerhalb einer kürzeren Zeit (10 Jahre) „abbezahlt“ ist
    – Stufe 2) Bonuszeit: Weiterbetrieb der Anlage ohne zeitliche Einschränkung, Gewährung des Börsenstrompreis für netzeingespeisten Strom

    Ebenso sollte es bei Windanlagen sein.
    Es muss sich kräftig lohnen, in Solar und Wind zu investieren. Die gute alte kV hat m.E. noch nicht ausgedient. Wir müssen nur die Eckpunkte neu definieren.
    Damit werden die fossilen Kraftwerksbetreiber schneller und tiefer im Minus landen als gedacht.

    Viele Grüße, Susanne

    ————–

    3. Reaktion von Andreas Horn

    Am Di., 21. Jan. 2020 um 17:38 Uhr schrieb Andreas Horn (SDR) :

    OK, wir denken durchaus ähnlich. Mein Vorschlag entspricht Deiner Stufe 2. :-)Und mir hat auch schon gedämmert, dass Stufe 2 allein für Investoren zu unattraktiv – weil langfristig – ist.

    Gleichzeitig will ich möglichst aus der „Subventionsthematik“ raus – PV ist ja eigentlich zu Börsenpreisen (zumindest in Verbindung mit Eigenverbrauch) rentabel. Zumindest, wenn nicht politische Markthemmnisse eingebaut werden (EEG-Umlage auf Eigenverbrauch, teure Messkosten, Registrierung etcpp.).

    Wir wäre also ein starker steuerlicher Anreiz als Stufe 1: Energiewende-Sonderabschreibungen von je 20% p. a. über 4 Jahre.
    Beide Stufen zusammen sind jeweils aufkommensneutral – der Vorwurf, dass Erneuerbare Energien Kostentreiber seien entfällt dadurch.
    der steuerliche Anreiz wirkt bei Investoren meist recht stark – sofern die Projekte verfügbar sind und umgesetzt werden können (also nicht behindert werden).
    Dass die Projekte nicht behindert werden garantiert der Ansatz, dass jeder beliebige EE-Strom auf einfache Weise einen Zugang zum Börsenpreis bekommt (unabhängig von Alter, Größe, Installationsort etc.)

    Auch früher waren viele Windparks (und teilweise auch Solarparks) im wesentlichen Steuersparmodelle.
    Wichtig ist, dass jeder einfach Projekte machen kann, seien es PV-Freiflächenanlagen (zu echten Viertelstunden-Börsenpreisen), oder Mieterstrom-Pakete (wie früher in Solarparks gebündelt).

    Das Maßnahmenpaket sähe also so aus:
    Abbau aller Zubau-Limitierungen: jede EE-Anlage bekommt einen einfachen und kostengünstigen Zugang zur Börse (unabhängig von Alter, Größe, Installationsort)

    Kleinstanlagen werden einfach über den Jahresmarktwert abgerechnet (jährl. Zählerablesung)

    – EE-Strom in der eigenen (Kunden-/Verbrauchs-) Anlage ist und bleibt privat, hierfür sind keinerlei Umlagen / Abgaben / Netzentgelte etc. zu entrichten.
    – EE-Strom, der in räumlicher Nähe direkt verbraucht wird (aber gehandelt / verkauft wird), wird nicht mit EEG-Umlage belastet, aber ggf. (wie jeder andere gehandelte Strom auch) mit Stromsteuer, ggf. Konzessionsabgabe (bei Benutzung öffentlicher Grundstücke für die Durchleitung), etc.; überregionale Netzentgelte fallen nicht an (da keine überregionalen Netze genutzt werden)
    – EE-Strom darf vor dem Verbrauch oder der Einspeisung beliebig gespeichert werden, um durch eine zeitliche Verschiebung der Netzeinspeisung höhere Vergütungen erzielen zu können.

    Steuerreform: für Investitionen in EE-Anlagen können EE-Sonderabschreibungen in Höhe von je 20% p. a. über vier Jahre genutzt werden.
    Würde das nicht ausreichen, um einen großen Boom auszulösen?

    Müssten da nicht auch mit „marktwirtschaftlichen und neoliberalen Parteien“ wie CDU und sogar FDP theoretisch mitmachen „müssen“ („wollen“ sicher nicht).

    Welche Argumente könnten dem entgegenstehen?
    (Groß-) Speicher müssten allerdings zusätzlich gefördert werden – die Differenz der Börsenpreise von ca. 2 Ct/kWh in den täglichen Schwankungen reichen nicht aus. Eine Idee hierzu wäre, dass eine staatl. Agentur EE-Strom bei niedrigen Börsenpreisen einkauft (und somit einen Mindest-Börsenpreis sicherstellt) und an Speicherbetreiber (zu einem niedrigeren Preis) versteigert.

    Soweit für heute.
    Andreas

    ———-

    4. Reaktion Susanne Jung
    Von: Susanne Jung
    Gesendet: Mittwoch, 22. Januar 2020 08:08

    Lieber Andreas,

    mit einem Abschreibungsmodell würden wir nur solche Investoren ansprechen, die steuerliche Möglichkeiten haben. Ganz abgesehen davon, dass die steuerliche HAndhabung von PV-Anlagen bisher für viel Unmut gesorgt und als wenig sympathisch angenommen wurden. Du kannst da sicher auch ein Lied von singen.

    Susanne

    Viele Grüße

    Susanne

    • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monaten von Susanne Jung.
    #757 Antworten
    Michael Stöhr (S4F-München)
    Gast

    Damit Hans-Josef Fell sich nicht für einen Text vereinnahmt fühlt, den er zwar maßgeblich inspiriert, aber nicht geschrieben hat, bitte beachten: Der Text wurde von mir geschrieben, nachdem ich mich am Rande der Klima-Demo am 29.11. länger mit ihm unterhalten habe, wie ein EEG-Neustart aussehen könnte. Ich habe ihn Hans-Josef sowie einigen von S4F-München vorgelegt und anschließend noch einen Änderungsvorschlag von Hans-Josef aufgenommen. Nur damit ihr die genauen Vorgänge kennt, falls es mal irgendwie relevant sein sollte.

    #758 Antworten
    Susanne Jung
    Gast

    Danke für den Hinweis.
    Ich werde die Anmerkung im Titel des Diskussionsstrangs korrigieren.

    Viele Grüße
    Susanne Jung

    #760 Antworten
    Hermann Lorenz
    Gast

    Ich betreibe seit 1999 eine PV-Anlage mit Kosten deckender Vergütung sowie mehrere Anlagen mit Überschuss-Einspeisung und Speichersystemen.
    Nach dieser Erfahrung komme ich zu dem Schluss: Dass ein Bürokratiemonster EEG mit eigener „Clearingstelle“ abgeschafft werden MUSS!

    Ein EEG 2.0 muss wieder übersichtlich und langfristig planbar sein.
    Möglichst auf wenigen Seiten und Paragrafen so wie das Ur-EEG aus dem Jahr 2000!!
    Der „normale“ Bürger muss es wieder verstehen können. Eine „Clearingstelle“ ist unnötig und unsinnig!

    Einfacher Vorschlag:
    Da ja JEDE EEG-Anlage Strom d.h. kW / kWh produziert, sollte dieser auch einen fairen Marktpreis haben – egal wer ihn wie (PV, WInd, Wasser, …) und wo in welcher Menge produziert hat. So wie jedes andere Gut.

    Als Orientierung könnte der Durchschnitts-Monatspreis der Vorjahres an der Börse sein, den der Netzbetreiber dem Einspeiser zahlt. Dazu evtl. ein Bonus, für nicht notwendige Übertragungsnetz-Ausbauten. Heute wären das ca. 4 cent (Börsendurchschnitt) + ca. 2 cent (??) „Netzbonus“. Summe 6 cent für den nicht lokal für Eigenverbrauch genutzte Solarstrom.
    Die Preisfestlegung durch eine Kommission und dem Netzbetreiber erfolgen.

    Vergleich:
    Vor Jahren hatten wir Börsenstrompreise von 8 cent!
    PV-Großanlagen werden heute mit 5 cent gebaut!
    Solar-/Windstrom wird lfd. billiger!

    Weiterhin stellen die vielen kleinen, dezentralen Anlagen den 60-80% igen Eigenverbrauch in den Mittelpunkt.
    Im Preismix (ersparter Einkauf und Vergütung) ergibt das dann einen zufrieden stellenden Gesamtertrag aus der Anlage.

    Wir müssen Gesetze und Verfahren machen, die möglichst unkompliziert, fair und verständlich sind. Nur so entwickeln wir Akzeptanz und Mut bei der Bevölkerung.

    Merke: Eine gutes System ist so einfach wie möglich und nur so komplex wie unbedingt notwendig!

    Viel Grüße
    Hermann Lorenz

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