Fortführung der Vergütung von Ü20-Anlagen

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    Susanne Jung
    Gast

    2021 fallen über 114 MW PV-Anlagen aus der Vergütung. Dabei handelt es sich vornehmlich um Kleinanlagen unter 7 kW.
    Nach Ablauf des Vergütungs- und Förderzeitraums sollten Anlagenbetreiber zwar in aller Regel alle Kosten zum Bau und Betrieb der Solaranlage inklusive der Kapitalbeschaffungskosten abgedeckt haben. Da die Solaranlagen allerdings über den 20-jährigen Zeitrahmen noch leistungsfähig sind, sollte eine Anschlussfinanzierung mindestens für die Deckung der weiterhin anfallenden Betriebskosten festgeschrieben werden.

    Für Strom aus Ü20-Anlagen gibt es keinen Anspruch auf eine Einspeisevergütung mehr. Anlagenbetreiber dürfen solaren (Rest)Strom nur dann noch in das öffentliche Netz einspeisen, wenn ein Stromabnehmer über das Verfahren der „sonstigen Direktvermarktung“ gefunden wird. Die SFV-Untersuchungen zeigen, dass die bisherigen Angebote zur Vermarktung weder hinreichend und noch im Interesse der Ü20-Anlagenbetreiber sind. Zahlreichen Anlagen – auch im Windbereich – droht damit die Stilllegung / der Abbau.

    Die EU-Richtlinie zur Förderung Erneuerbarer Energien sieht in Artikel 21 Nr. 2 d) vor, dass Eigenversorger für den in das Netz eingespeisten Strom (unabhängig vom Inbetriebnahmejahr der Anlage) mindestens den Marktpreis beanspruchen können. Zusätzlich verlangt die EU-Richtlinie auch, dass bei der Einpreisung der langfristige Wert des EE-Stroms für das Netz, die Umwelt sowie die Gesellschaft berücksichtigt werden soll.

    Wir sollten auf Umsetzung drängen und bei unseren Forderungen nach einer Anschlussfinanzierung also kaum zurückstecken. Ich schlage eine Anschlussvergütung von 10 Ct/kWh für PV-Kleinanlagen bis 30 kW vor.

    Bei Windanlagen müsste zusätzlich noch eine Standortsicherung / das Recht auf Repowering betrachtet werden. Wie hoch die Anschlussvergütung sein müsste, kann ich nicht beurteilen.

    #714 Antworten
    Andreas Henze
    Gast

    Gehen wir doch mal von der Sicht eines PV-Altanlangenbetreibers aus. Dabei sind 2 Fälle zu unterscheiden:
    1. Kleine PV-Anlage auf dem eigenen Hausdach (z.B. bis 10 kWp):
    Wenn der Anlagenbeitreiber seinen Strom selbst nutzen kann, dann ist ihm im Regelfall egal, wieviel er als Vergütung für den eingespeisten Strom bekommt, wenn der Aufwand (finanziell als Gebühr aber insbesondere als Investion) klein ist, denn er weiß ja gar nicht wie lange seine Anlage noch läuft.
    Das heißt die Stromeinsparung ist Anreiz genug die Anlage weiterhin in Betrieb zu halten. Vorausgesetzt er bekommt nicht noch alle möglichen anderen Zusatzlasten „aufgebrummt“, die nach heutigem Stand anfallen, als da wären: Direktvermarktung mit hohen Gebühren und Direktvermarkterbox (Investition), Zählertausch mit hohen Gebühren, EEG-Umlage mit zusätzlichen Fristen und Ansprechpartnern zum Abführen (würde sie vom Netzbetreiber mit der Jahresabrechnung abgerechnet wäre die EEG-Umllage wahrscheinlich sogar hinnehmbar). Es ist also wichtig, dass der Aufwand klein ist und die Kosten (insbesondere die Investition) klein sind. Für diese Anlagen würde es also ausreichen, wenn sie vom Netzbetreiber den Marktwert also zwischen 2 und 5 Ct. bezahlt bekämen und nur den ursprünglichen Einspeisezähler entfernen und die Anlage auf den Hauszähler umklemmen lassen würden. Als Vergütung wäre ein Jahreswert, der sich z.B. aus dem Vorjahresdurchschnitt von PV-Strom berechnet, sinnvoll, um den Aufwand klein zu halten.
    Aus Energiesicht ist wichtig, dass die Anlage weiter betrieben wird und die Anlage nicht vom Netz geht bzw. nur noch auf den Eigenverbrauch gedrosselt betrieben wird. Diese Anlagen spielen Regelungstechnisch keine Rolle und müssen nicht gedrossel oder vermarktet werden. Sie werden in den nächsten 10 Jahren sowie so durch neue Anlagen ersetzt werden.
    2. große PV-Anlage (ich denke hier vor allem ab ca. 2003 an Anlagen auf Scheunen- und anderen großen Dächern, für die kein oder nur ein minimaler Eigenverbrauch möglich ist) (z.B. größer 10 kWp)
    Diese Anlagen haben über den Eigenverbrauch keinen Anreiz ihre Anlage weiter zu betreiben. Dieser Anreiz müsste also über eine Vergütung kommen. Wir als BEG finden aber schon jetzt kaum einen Direktvermarkter für Anlagen mit 160 kWp (nur als Beispiel). Die Kosten liegen bei 500 Euro Direktvermarkterbox plus Installation (ca. 500 Euro) plus LTE-Anschluss und Modem, einigen hundert Euro Direktvermarktergebühr jährlich, ca. 60 Euro LTE-Gebühr jährlich. Das Problem der Abschaltbarkeit / Regelung durch den Direktvermarkter ist normalerweise gar nicht oder nur ein/aus zu lösen (der Aufwand ist ebenfalls beträchtlich). Hier fallen als Kosten in der Höhe von mindestens 1 eher 2 bis 3 Tausend Euro + erheblicher Organisationsaufwand an, um die Anlagen weiter betreiben zu können (nach jetziger Gesetzeslage.
    Die Anlagenbetreiber würden diese Anlagen sicherlich weiterlaufen lassen, wenn die Anlagen pro z.B. 10 kW 500 Euro jährlich abwerfen würde. Also eine Vergütung von ca. 5 Ct. pro kWh bekommen würden, ohne dass sie irgendwelche Änderungen vornehmen lassen müssten. Denn jeder Aufwand würde für viele (da sie nicht den Reiz des Unabhängig machens vom Stromversorger hätten wie die Anlagen unter 1.) sich nicht mehr „lohnen“. Das Risiko einer Fehlinvestition wäre zu hoch. Also 5 Ct. sollten vollständig ausreichen bei einer ganz normalen Volleinspeisung. (Immerhin bekommen Freiflächen-Neuanlagen auch nur rund 5 Ct. und müssen davon auch Reparatur etc. bezahlen und das muss wohl wirtschaftlich sein, wenn man sich die letzten Ausschreibungsrunden der BNA ansieht.

    #715 Antworten
    Susanne Jung
    Gast

    Lieber Andreas,

    toll, dass Du dabei bist!!

    Ich denke nicht im Rahmen der Gesetzeslage und hoffe, dass wir es schaffen, in der Arbeitsgruppe das EEG „neu zu erfinden“.
    Wie hoch die Vergütung für Ü20-Anlagen (gestaffelt nach Anlagengrößen) sein muss, kann man sicher diskutieren. Aus ersten Berechnung dre DGS Franken darf die Vergütung für Kleinanlagen (und das sind im ersten Schritt die meisten) trotz Eigenverbrauch keinesfalls unter 5 Ct/kWh liegen.

    Aus meiner Sicht sollte es weiterhin möglich sein, den Solarstrom bedingungslos in das öffentliche Netz zu speisen und Anspruch auf eine Vergütung zu haben. Können wir darüber Einigkeit erlangen?

    Viele Grüße
    Susanne

    #761 Antworten
    Alex
    Gast

    Die Anlagen die ich aus der Zeit der 90er und bis ca. 2004 kenne sind praktisch nicht normenkonform an eine Direktvermarktungs-Box anschließbar. Eine der zahlreichen Hürden ist die Idee des Gesetzgebers, dass der Direktvermarkter bei negativen Börsenpreisen Anlagen abregeln wollen könnte und es daher können muss. Das war vor 25 schlicht nicht denkbar und ist technisch/wirtschaftlich mit den alten Wechselrichtern nicht zumutbar. Wesentlich billiger (mehrere Größenordnungen auf einen 10-Jahreszeitraum betrachtet) wäre, auch bei negativen Börsenstrompreisen weiter voll einzuspeisen, statt abregeln zu können.

    Bei den Energiemengen und den Leistungen um die es hier geht, wäre ein Standard-Lastprofil „Solareinspeisung PV-Anlage ohne EEG < 100kWp bzw. 100.000 kWh/a“ sehr hilfreich. Dann könnte jeder beliebige Direktvermarkter oder sonstige Bilanzkreis-Verantwortliche die Anlagen aufnehmen, es müsste auch bei Anlagen mit Volleinspeisung technisch nichts zerpflückt werden.

    Standard-Lastprofile sind im Energierecht üblich. Und wenn dann so eine 1 kWp Anlage aus dem 1000 Dächerprogramm der 90er im Jahr 2021 ihre prognostizierten 700 kWh erzeugen wird, dann könnte rechnerisch ermittelt werden, wie vernachlässigbar die Einspeisung von sowas wie 0,5 kWh an Pfingsten in 3 * 1/4 Stunden negativem Strompreis von 12 Cent/kWh wirklich sind. Wer das mal durchrechnet dem wird schnell klar, dass sowas besser nicht mit einer Datentechnik abgeregelt wird, deren Stromkosten pro Jahr allein 25 € ausmachen werden. Auf Basis eines Standard-Lastprofiles würde sich ein Marktpreis in der Region knapp unter Marktwert Solar einpendeln. Dann können die Altanlagen ohne Investition weiter betrieben werden, solange sie funktionieren. Und wer dann von Volleinspeisung auf Überschuss-Einspeisung umrüsten will, braucht auch nur 2 SLP-Zähler: Erzeugung und Zweirichtungszähler für Lieferung/Bezug.

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